Event-Suche
Suchen 

Rückrufservice

Video- und Audiobeiträge für Kunstinteressierte.

Moderne: Selbstmord der Kunst?
Im Spiegel der Sammlung der Neuen Galerie Graz
line
 
Neue Galerie, Joanneumsviertel, Graz
Laufzeit: 27.11.2011–02.09.2012
Die Sammlung der Neuen Galerie Graz hat neben ihrer Aufgabe, die regionale Kunstentwicklung zu verfolgen, seit den 1960er-Jahren ihren Schwerpunkt auf die internationale Gegenwartskunst gerichtet. Ihre Sammlungsbestände reichen aber bis ins Jahr 1800 zurück, das eine Zäsur bildet. In dieser Zeit wurde die Aufklärung in der Steiermark unter der Patronanz von Erzherzog Johann wirksam, der neben bedeutenden wissenschaftlichen Institutionen und ökonomischen Einrichtungen auch 1811 das Joanneum gründete. Die beiden Begriffe Moderne und Aufklärung sind die zwei Grundpfeiler der Ausstellungsthese für die Sammlungsneuaufstellung. Das BRUSEUM, das Museum für den Aktionisten, Bilddichter und Literaten Günter Brus an der Neuen Galerie, das zeitgleich als permanente Ausstellung eröffnet wird, schließt sich als inhaltlicher Link an die Sammlungsausstellung an.
 
Die Kunst von Günter Brus, die bis an die Grenzen der Selbstzerstörung führte, ist eines der zahlreichen Zeugnisse für die Tendenz der Kunst der 1950er- und 1960er-Jahre zur Selbstauflösung und Selbstauslöschung der Kunst und des Künstlers. Diese Selbstauslöschung verdeckt in ihrer Radikalität aber die eigentliche Leistung der Moderne, ihren fundamentalen Ikonoklasmus, nämlich den Wechsel von der Repräsentation zur Realität. Gelöscht und negiert wurde nur die repräsentative Kunst. In der radikalen Moderne wurde alles, was bisher nur gemalt war, also nur repräsentiert wurde, durch die Realität selbst bzw. durch reale Dinge ersetzt – so die Ausstellungsthese.
 
Repräsentation und Realität bilden eine binäre Opposition, eine grundlegende ontologische Differenz. Die klassischen Künste unterscheiden sich von der Moderne durch die Beachtung dieser Differenz, sie überschreiten nie die Grenze zur Realität. Wenn sie sich ihr oft auch größtmöglich annähern, so bleiben sie doch stets im Reich der Zeichen, der Darstellung.
 
Dies ändert die Moderne: Auf die Verbannung der Gegenstandswelt durch die abstrakte Malerei um 1910/15 (Vladimir Kandinsky, Kasimir Malewitsch, Piet Mondrijan) antwortete Marcel Duchamp mit der Einführung realer Gegenstände (Ready Mades) in die Kunst. In weiterer Folge trat statt des gemalten Portraits oder der gemalten Figur der reale Körper auf (Aktionismus, Performance); statt der gemalten Landschaft gibt es die Gestaltung der realen Landschaft in der Land Art; statt gemalter Stillleben gibt es die Ansammlung realer Gegenstände (Assemblagen, Installationen), statt gemalter Bewegung die reale Bewegung (Kinetik), statt gemaltem Naturlicht reales künstliches Licht etc. Wenn also unter dem Begriff der Kunst in erster Linie die klassische Kunst verstanden wird, nämlich das Abbilden der Realität, hat die Moderne tatsächlich die Kunst gemordet.
Die neuen Medien haben eine neue Darstellungsweise in die Kunst gebracht. Einerseits sind sie als Dokumente von Aktionen selbst Repräsentation, andererseits sind sie in Installationen selbst reale Maschinen und Gegenstände. In der Ausstellung werden Land Art und urbanistische Aktionen, Performances und Körperaktionen durch Fotos und Videos dokumentiert, aber ebenso werden Video- und Klanginstallationen als selbstständige Kunstformen des Realen ausgestellt.
Im Kapitel der „Interaktion“ ist das Publikum nicht nur Adressat, sondern Akteur am Zustandekommen des Kunstwerks. Somit bekommen auch Betrachter/innen eine neue Funktion dem Kunstwerk gegenüber: Sie betrachten es nicht nur, sondern greifen als real handelnde Personen ins Kunstwerk ein und gestalten, verändern oder vollenden es erst dadurch.
Anhand einer Auswahl aus der Sammlung der Neuen Galerie Graz von 1800 bis heute werden historische und moderne künstlerische Ausdrucksformen einander gegenübergestellt. Die These der Ablösung der Repräsentation durch die Realität wird in den folgenden elf Kapiteln/Themenkreisen untersucht: Linie – Farbe – Licht – Musik/Ton – Bewegung/Kinetik – Landschaft – Stillleben – Interieur/Möbelskulpturen – Medienrealität – Interaktion zwischen Kunstwerk und Betrachter – Körper.
Moderne
Universalmuseum Joanneum  pfeil_rechts
space space